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24 Stationen, ein Ziel: Auf Sparflamme bitte!

Mit der Kampagne #CleverLÄND will die baden-württembergische Landesregierung Bürgerinnen und Bürger zum Energiesparen motivieren. Im Rahmen einer Roadshow, die an 24 Standorten in Baden-Württemberg gastiert, informieren Fachleute kostenlos und anschaulich über alle möglichen Energiesparmaßnahmen.  Begleitend dazu gibt es zahlreiche Tipps und ein paar kurze, informative Videos im Internet. Eines davon beschäftigt sich mit dem hydraulischen Abgleich: einer zwar komplexen, aber sehr effektiven Maßnahme, um Heizenergie zu senken. In knapp zwei Minuten erklärt von Frank Jäger, Eigentümer und Geschäftsführer der Firma Jäger Haustechnik in Karlsruhe. Er ist nicht nur Mitglied der SHK Innung Karlsruhe – Bruchsal, sondern auch Obmann Sanitär |Heizung beim Fachverband Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg und hat sich trotz übervoller Auftragsbücher Zeit für ein Interview genommen. Denn in zwei Minuten kann man ein solches Thema allenfalls anreißen, aber nicht vertiefen.  

 

Herr Jäger, der hydraulische Abgleich ist eine von vielen Stellschrauben, um Heizenergie zu sparen – wieviel Prozent weniger können das im Durchschnitt sein?

 

Da sind durchaus bis zu zehn Prozent möglich. Das hängt aber schlussendlich vom Verbraucher ab. 

Über welche Summen sprechen wir da - zum Beispiel beim klassischen Einfamilienhaus?

Angenommen der aktuelle Gasverbrauch liegt bei 20.000 kWh, dann könnte der Kunde bis zu 2.000 kWh Gas sparen. Wenn wir das jetzt mit dem aktuellen Gaspreis von 19,5 Cent pro kWh hochrechnen, den die Stadtwerke Karlsruhe ab dem 1. Oktober aufrufen, dann sprechen wir hier über eine Einsparung von 390 Euro pro Jahr.

Wann nehmen Sie den hydraulischen Abgleich vor?

Wenn deutlich wird, dass im Haus keine gleichmäßige Wärmeverteilung vorhanden ist: Der Heizkörper im Erdgeschoss bringt schnell Wärme, der im Dachgeschoss lässt auf sich warten. Oder ein Zimmer wird nicht richtig warm, obwohl der Heizkörper oberflächlich warm ist. Andere Räume hingegen sind zu warm.

Das ist ein entscheidendes Indiz dafür, dass die Wärmeverteilung nicht sauber einreguliert ist. Das regelt der hydraulische Abgleich: Er gleicht das komplette Heizsystem ab und sorgt dafür, dass alle Heizkörper gleichmäßig warm werden und zudem jeder Heizkörper die Wärme liefert, die er bringen muss, um den Raum zu erwärmen.

 

In dem Moment kommt der Fachmann, beispielsweise Sie, ins Spiel. Was machen Sie dann genau?

Im ersten Schritt wird das Gebäude vor Ort anhand von vorhandenen Plänen aufgenommen und dokumentiert, wo welche Heizkörper vorhanden sind. Sollten, das kann bei älteren Häusern der Fall sein, keine oder unvollständige Pläne da sein, wird das etwas aufwändiger. In unserem Betrieb rechnen wir das Haus nach und kalkulieren dann, welche Wärmeleistung jedes Zimmer am kältesten Tag des Jahres braucht. Gleichzeitig ermitteln wir, welche Heizleistung die Heizkörper oder auch die Fußbodenheizungen haben und mit welcher Energiemenge, also Heizungswasser, muss er versorgt werden. Im zweiten Schritt wird vor Ort an jedem Heizelement die benötigte Wassermenge eingestellt. Dazu müssen an jedem Heizkörper bzw. der Fußbodenheizung einstellbare Thermostatventile vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, werden sie nachgerüstet. Zum Schluss werden alle Einstellungen an der Regelung des Kessels überprüft, die Heizungspumpe richtig eingestellt und das war’s! Denn ein hydraulischer Abgleich wird nur einmal gemacht. Das System muss nicht vor jeder Heizperiode neu justiert werden.

Wie lange dauert so etwas?

Das hängt davon ab, wie groß der Umrüstaufwand ist. Bleiben wir beim Einfamilienhaus: Der erste Termin vor Ort dauert ein bis zwei Stunden, der zweite Termin kann in knapp einer Stunde über die Bühne gehen. Müssen aber noch 15 Thermostatventile ausgetauscht werden, dann kann das schon mal einen knappen Tag dauern.

Lassen Sie uns bitte noch mal über das Thema Fußbodenheizung sprechen. Ist da mit demselben Aufwand zu rechnen?

Beim ersten Schritt der Berechnung gibt es keinen Unterschied zu Gebäuden mit herkömmlichen Heizkörpern. Beim zweiten Schritt haben wir in der Praxis aber auch die Situation, dass dort alte, nicht einstellbare Verteiler vorhanden sein können. Die werden ausgetauscht. Der Aufwand ist derselbe wie beim klassischen Heizkörpern.

Wie ist das eigentlich, wenn Sie bei älteren Gebäuden auf sogenannte Einrohrsysteme treffen, wenn also Zulauf und Ablauf von Heizungswasser nur über ein Rohr erfolgen?

Einrohrheizungen gibt es immer noch – die verschwinden nicht. Die abzugleichen ist etwas gänzlich Anderes. Die Berechnung ist zwar ähnlich, aber wir müssen in diesem Fall die einzelnen Heiz-Kreise miteinander abgleichen: Ich kann also nicht – wie beim Zweirohrsystem – die Heizkörper miteinander abgleichen. Wenn im Haus ein zentraler Verteiler vorhanden ist, an dem die Einrohrsysteme abgehen bzw. ankommen, lassen sich dort recht problemlos die Ventile einbauen. Der Kostenaufwand für die Aufrüstung ist aber doch etwas höher. Wenn wir allerdings –auch das gibt es – an den Verteiler und die Rohre nicht herankommen, weil das Ganze in der Wand verbaut ist, dann ist kein hydraulischer Abgleich möglich.

Sie haben über den Kostenaufwand gesprochen, können Sie ein paar Zahlen nennen?

Sprechen wir der Einfachheit halber über das erwähnte Einfamilienhaus: Die Berechnung liegt nach Gebäudeart, Umfang und Größe ungefähr zwischen 400 und 800 Euro. Bei der Umsetzung hängen die Kosten vom Aufwand ab: Ist zusätzlich der Austausch von Thermostatventilen notwendig, kann dieser durchaus rund 2.000 Euro kosten. Grob gesagt: Insgesamt liegen wir beim hydraulischen Abgleich – Berechnung und Einstellung – in einem Rahmen zwischen 2.000 und 3.000 Euro.

Wenn man dieses Geld sparen möchte, kann man den hydraulischen Abgleich auch selbst vornehmen?

Naja, ich schätze mal, schon bei der Berechnung wird es für den Laien doch ziemlich schwierig. Wenn ein versierter Handwerker dabei ist, der im Anschluss die Thermostatventile austauscht bzw. einstellt, die vom Fachmann vorgegeben sind, dann ginge das theoretisch. Dazu kommt, dass der hydraulische Abgleich entsprechend dokumentiert und vom Fachbetrieb abgestempelt wird. Dazu gibt es ein Formblatt, das man vorlegen muss, wenn es zum Beispiel um eine Förderung geht.

Förderung - ein sehr gutes Stichwort…

Die ganze Optimierung der Heizungsanlage, und darunter fällt ja auch der hydraulische Abgleich, wird vom Staat mit 15 Prozent gefördert. Das gilt auch für den Austausch von einzelnen Heizkörpern, von Thermostatventilen, Nachrüstung von Regelsystemen bei Fußbodenheizungen oder auch kleine Smart-Home-Lösungen für das Heizungssegment. Wenn es dann noch einen Sanierungsfahrplan von einem Energieberater gibt, dann gibt es von Vater Staat nochmal fünf Prozent obendrauf.

Wie können Sie als Fachmann in Sachen Förderung helfen?

Wir als Heizungsfachleute unterstützen beim Beantragen der Förderung. Wir nehmen den Kunden gewissermaßen an die Hand, zeigen auf, welche Möglichkeiten der Energieoptimierung und welche Förderungen es gibt. Das können wir auch in Vollmacht tun. Das heißt: Wir übernehmen für den Kunden den ganzen Aufwand.

Sie lassen den Kunden also nicht im Regen – oder in diesem Fall: in der Kälte stehen…

Nein, das gehört zum Berufsethos. Wir erarbeiten mit den Kunden die bestmöglichen Lösungen.

Mal abgesehen vom hydraulischen Abgleich: Was können Mieter oder Eigentümer generell tun, um möglichst effizient Heizkosten zu sparen ohne sich, Entschuldigung, im Winter den Allerwertesten abzufrieren?

Grundsätzlich sollte jeder sein eigenes Verhalten in Frage stellen. Müssen Fenster zum Beispiel dauerhaft gekippt sein, wenn doch die Stoßlüftung die bessere Alternative ist? Oder:  Sollte ich nicht nur die Räume beheizen, die ich auch benutze? Und in anderen Zimmern die Temperatur absenken? Jedes Grad Raumtemperatur weniger spart Energie – dass wissen wir alle.  Man muss daraus ja keine körperliche Grenzerfahrung machen…

Dann gibt es noch die Option beim Verlassen des Hauses die Heizkörper herunterzuregulieren und sie erst beim Nachhausekommen wieder hochzudrehen. Dabei sollte der Verbraucher die Temperatur nicht zu weit absenken, denn an sehr kalten Tagen dauert es länger, bis es daheim wieder warm wird.  Tipp: Den Thermostatknauf von Stufe drei auf zwei drehen, wenn man zur Arbeit geht und beim Nachhausekommen wieder auf drei stellen – das hilft schon!  Nebenbei bemerkt: Es bringt kaum etwas auf Stufe fünf, sozusagen ‚volle Pulle‘, hochzuheizen: Das kostet mehr Geld, geht aber nicht wesentlich schneller.  Ein weiterer Tipp: Große, bodentiefe Fenster bringen einen gewissen Wärmeverlust mit sich. Also: Beim Verlassen des Hauses und natürlich vor dem Schlafengehen einfach die Rollläden herunterlassen.

Ein wortwörtlich heißer Punkt ist das Thema Warmwasser. Man kann, wenn diese Energie nicht gebraucht wird, die Temperatur absenken, die Zirkulationspumpen abstellen oder Bereitungszeiten für Warmwasser verändern. Aber – und das ist sehr wichtig: Hier kann es zu einem Hygieneproblem durch Legionellen kommen.

In einem Ein- oder Zweifamilienhaus gibt es dahingehend keine gesetzliche Vorschriften, ab drei Parteien im Haus sieht das der Gesetzgeber aber so: Sicherung der Hygiene geht vor Energieeinsparung. Auf jeden Fall sollte man das Thema Warmwasserbereitung mit sehr viel Bedacht angehen. Ein Heizungsfachmann hilft da weiter und damit ist der Kunde auf der sicheren Seite.

 

Vielen Dank, Herr Jäger!

Wer sich vor Ort im Bereich der SHK Innung Karlsruhe – Bruchsal weitere Energiespartipps holen oder auch das Thema „hydraulischer Abgleich“ mit anderen Experten vertiefen möchte, der kann das am Samstag, dem 24. September von 10:00 bis 16:00 Uhr in 76646 Bruchsal, gegenüber Otto-Oppenheimer-Platz 1, tun. Ergänzend dazu lohnt auch ein Blick auf die Homepage: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/cleverlaend/